Es muss einen anderen Weg geben

Lesedauer: 8 Minuten

Inhalt:

Eine andere Art der Konfliktbewältigung

2020 führte ich ein Experiment durch: sechs Monate medienfrei (hier der Text dazu). In diesen sechs Monaten ging es mir so gut wie selten zuvor. Mein Geist war frei, ich ärgerte mich eher selten, wütend war ich kaum, verwirrt nie, und es geschahen Wunder am laufenden Band. Dieses Ding mit dem C, das die ganze Welt in Panik versetzte (und bis heute hat sich daran ja nichts geändert) war schlicht nicht mehr existent.

Damals war für mich offensichtlich, dass alles, was mit diesem Thema zu tun hatte, ausschließlich in den Medien und auf den diversen Social-Media-Plattformen stattfand. In der wirklichen Welt war davon außer den ab Spätsommer/Herbst allgegenwärtigen Masken nichts zu sehen. 

Die Maskenfrequenz nahm dabei zu, je zentraler man sich in der Stadt aufhielt.

Kleine Anekdote dazu: Irgendwann im letzten Winter waren wir in einem Hofladen einige Kilometer vor Hamburgs Toren einkaufen. Wie sich das gehört, betraten wir vorbildlich maskiert den Verkaufsraum. Die alte Bäuerin hinter der Ladentheke sagte fröhlich hallo und lachte: „Ihr müsst aus der Stadt kommen.“

Wir blickten wohl etwas verwirrt drein, was sie trotz der Masken erkannte, denn sie erklärte: „Sonst hättet ihr nicht dieses Ding da im Gesicht. Braucht ihr hier nicht.“

Ohne Maske einkaufen, heutzutage unvorstellbar! (Heute ist man ja schon froh, wenn es nur die Maske ist und nicht noch unangenehmere Dinge wie 3G oder gar 2G.) Die Bäuerin erzählte uns, dass sie schon lange keine Nachrichten mehr verfolge. Sie wolle gesund bleiben, vor allem geistig. Aber das, was ihr die Leute so erzählten, käme ihr bekannt vor, und zwar aus Erzählungen ihrer Mutter von der dunklen deutschen Geschichte.

Dies ist nun über ein Jahr her und ich frage mich, was die Bäuerin wohl zur heutigen Situation sagen würde – zu was die Menschen doch wieder fähig sein könnten.

Vermutlich ist sie aber immer noch ganz entspannt. Denn sie wusste, dass der Wahnsinn nur in den Medien stattfand und dass die alles andere als die Realität abbilden. Meine Großmutter sagte einst: „Weißt du, wer glaubt, was in der Zeitung steht, der ist halt ein bissle dumm.“

Nach meinem sechsmonatigen Medienfasten dachte ich, ich sei bereit, mich wieder mit dieser Welt zu beschäftigen. Dieses Mal aber bewusster und entspannter, nahm ich mir vor, ohne Ärger und Nervenstress. Doch gleich zu Beginn tappte ich wieder unversehens in die Egofalle und regte mich über viel zu viel Unsinn auf.

Heute, einige Monate später, muss ich feststellen, dass es kein Entrinnen aus den Geschichten gibt, die medial erzählt werden, solange man ein Teil davon ist und sie selbst erzählt, und dabei ist es egal, ob ich pro oder contra dem offiziellen Narrativ bin. In den (sozialen) Medien tobt der Egokrieg noch viel heftiger, und er nimmt von Tag zu Tag an Schärfe zu.

Ich bin inzwischen zu dem Schluss gekommen, dass es keinen vernünftigen Umgang mit diesen Geschichten gibt. Egal ob ich ihnen glaube oder eben nicht, alleine dass ich mich damit beschäftige, macht sie wahr. Ich bin gleichsam verantwortlich für den Wahnsinn, den ich sehe.

Prägend für meine frühe Jugend (und eigentlich für alle Jahre, die danach folgten) war folgender Satz aus der damaligen Friedensbewegung:

Stell dir vor, es ist Krieg, und keiner geht hin.

Anders ausgedrückt: Der Wahnsinn in der Welt ist nur wahr, weil wir ihn wahr machen, weil wir die Geschichten mit erzählen, egal aus welcher Perspektive. Krieg bleibt Krieg, Wahnsinn bleibt Wahnsinn.

Wenn wir nicht in den Krieg ziehen, findet er nicht statt. Wenn wir den C-Wahnsinn nicht mitspielen, findet auch das nicht statt. Wenn ich im Frieden bleibe, existiert kein Konflikt.

Ich glaube, die meisten wissen inzwischen, dass niemand die Welt verändern kann. Gewiss nicht im Außen! Daran haben sich viele Mitmenschen schon Jahrzehnte abgearbeitet. Ohne Erfolg. Die letzten Monate zeigen uns dies noch viel deutlicher als jemals zuvor. Man kann regelrecht verzweifeln, da alle ohnehin machen (oder nicht machen), was sie wollen, egal was man ihnen erzählt. Und das ist ja auch gut so! Denn jeder hat seine ganz persönliche Wahrnehmung und somit auch seine ganz eigene Wahrheit.

Ich will versuchen, einen Weg zu beschreiben, den ich für mich als hilfreich erkannt habe. Ich lade dich ein, den folgenden Text zu lesen und für dich zu prüfen, ob dies auch etwas für dich sein könnte.

Mit wahrer Vergebung die Krise einfach auflösen

Die Situation erscheint vielen unserer Mitbürger völlig ausweglos. Wo man auch hinschaut, herrscht nackte Panik oder Wut oder Apathie. Schuldverschiebung, Hass und schiere Verzweiflung darüber, dass es nie endet, solange die einen sich nicht spritzen lassen oder die anderen nicht endlich aufhören, an die Lügen zu glauben.

Mit gegenseitigen Schuldzuweisungen und Verurteilungen kommen wir aber nicht weiter. Das ist kein Schritt heraus aus der Misere, sondern immer tiefer hinein. Eine wirklich schwierige Lage, in der wir uns befinden: alle blockieren sich gegenseitig. Eine Lösung ist nicht in Sicht. Die Angst nimmt ständig zu. Egal ob vor dem C oder dem I.

Das muss aber nicht so sein. Alle großen Geisteslehren zeigen uns einen sehr einfachen Ausweg. Sei es nun das Christentum, der Buddhismus, meinetwegen auch der Schamanismus, oder die Weisheiten indigener Völker, oder auch universelle Lehrpläne wie „Ein Kurs in Wundern“ und all die Vorträge und Bücher von spirituellen Lehrern wie Eckhart Tolle, Mooji, Deepak Chopra, Byron Katie, Thomas Campbell, David R. Hawkins usw. Sie alle lehren im Grunde dasselbe: wahre Vergebung.

Ich bin davon überzeugt, dass diese „wahre Vergebung“ uns aus der Krise führen kann. Daher will ich hier darlegen, was ich darunter verstehe und wie ich sie anwende. Dies ist eine Momentaufnahme und kann sich auch wieder ändern. Soviel vorweg: Es ist eine tägliche Übung, die mal mehr mal weniger gut gelingt, und die kein Ende nimmt, mit der Zeit aber immer leichter fällt. Die Auswirkungen sind jedoch schon bei der allerersten Anwendung spektakulär.

Echte Vergebung nimmt wahr, dass in Wahrheit nichts geschehen ist

Vermutlich verstehen die meisten, so wie ich auch bis vor Kurzem, etwas Falsches unter Vergebung. Nämlich, dass ich jemandem vergeben muss, der mir etwas angetan hat. Das gelingt oft sehr leicht, wenn der Andere etwa schlechte Laune hatte und ihm etwas Dummes über die Lippen rutschte. Manchmal will es uns aber nicht recht gelingen, da der Andere womöglich etwas Unverzeihliches getan oder gesagt hat.

Oft vergeben wir jemandem nur, weil wir unseren Frieden haben wollen. Insgeheim sind wir aber immer noch stinksauer. Oder wir vergeben unserem Gegenüber, weil wir glauben, damit unser Karmakonto auffüllen zu können, also ein Stückchen heiliger zu werden.

All das ist aber keine wahre Vergebung, das ist die Vergebung wie sie das Ego versteht. Das Ego hat großes Vergnügen daran, sich heilig zu fühlen und scheinbar großmütig über Dinge hinwegzusehen. Es macht dabei aber nichts anderes, als sich über den Anderen zu erheben.
Der hat mir das und das angetan, und bemerkt es womöglich gar nicht, weil er ein so unsensibler Geselle ist. Ich aber, ich bin so heilig, ich kann darüber hinwegsehen und huldvoll vergeben. Eigentlich bin ich aber immer noch sauer und verurteile mein Gegenüber für das, was er getan oder gesagt hat.

Wahre Vergebung wie Jesus und Buddha sie lehrten ist dagegen urteilslos. Einer der wichtigsten Sätze dazu aus „Ein Kurs in Wundern“:

Die Vergebung nimmt wahr,
dass das, wovon du dachtest,
dein Bruder habe es dir angetan,
nicht geschehen ist.

Ein Kurs in Wundern

Das ist natürlich zuerst schwer zu begreifen und ruft durchaus auch Ablehnung hervor. Als ich davon zum ersten Mal hörte, konnte ich die Dimension, die in diesem Satz steckt, nicht einmal annähernd begreifen. Aber ich war bereit, diese Aussage als wahr zu akzeptieren und ging damit tagtäglich um. Situationen, die zu vergeben sind, hält jeder Tag zur Genüge für uns bereit.

Im ersten Schritt akzeptiere ich, dass der Andere mir nichts getan hat, da in Wirklichkeit nichts geschehen ist. Und dabei ist es völlig egal, ob es hierbei um meine Partnerin, meine Kinder, meine Eltern, Freunde, Kollegen, oder um die Politiker und Journalisten geht. Nichts, was wir wahrnehmen, egal von wem, geschieht wirklich.

Das klingt zunächst völlig absurd. Ist es aber nicht, wenn wir versuchen, alles mit größtmöglicher Neutralität zu betrachten. Das ist nicht einfach, gelingt mit regelmäßiger Übung aber immer leichter. Hilfreich ist dabei, möglichst keine Urteile mehr zu fällen – über nichts und niemanden. Denn wer bin ich, dass ich irgendetwas besser wüsste als der Andere. Oder was befähigt mich, etwas zu beurteilen, oder einen Wert beizumessen, das für mich eine ganz andere Bedeutung hat als für andere. Jeder hat seine eigene Sichtweise auf die Dinge, und jede ist dabei genauso richtig oder falsch. Die eine Wahrheit gibt es nicht.
Vielmehr ist sehr vieles wahr und sehr vieles unwahr, und manchmal auch umgekehrt – abhängig davon, ob es sich um einen Fakt oder eine Meinung wandelt, und aus welcher Perspektive man etwas betrachtet.
Anders ausgedrückt: Die einzig existierende Wahrheit ist jene, die wahrnimmt, dass es viele Wahrheiten gibt, und jede einzelne davon je nach Wahrnehmung sowohl richtig als auch falsch ist.

Meine Wahrheit basiert also auf meiner Wahrnehmung. Und die kann konträr zur Wahrnehmung meines Gegenüber sein. Ich beurteile jedoch weder meine noch die des Anderen. Ich vergebe mir meine Wahrnehmung. Denn eigentlich findet alles, was ich mit meinen Sinnen erfahre, nur in meinem Geist statt. Ich sehe nur das, was ich sehen will, ich erfahre nur das, was ich erfahren will, und somit erleide ich auch nur das, was ich erleiden will.

Jeder von uns kennt das: Wenn ich morgens mit Gedanken aufwache, welche Katastrophen heute wieder auf mich warten, dann erlebe ich auch nur Katastrophen. Wenn ich schon vorher weiß, dass mein Vorhaben zum Scheitern verurteilt ist, dann werde ich auch scheitern. Und wenn ich weiß, dass der Andere nur Unsinn erzählt, dann nehme ich auch nur Unsinn wahr.
Das ist auch gar nicht weiter schlimm! All der Mist, den wir wahrnehmen, zeigt uns nur, was wir noch zu lernen haben.

Die Welt ist unser Klassenzimmer

Alle universellen Lehrpläne erklären uns, dass wir hier sind, um zu lernen, und dass die Welt, die wir wahrnehmen eine Projektion ist. Wir projizieren das, was in uns ist auf die Leinwand namens Welt. Die Welt ist dabei neutral, und wir gestalten sie mit unseren Projektionen. Was ich wahrnehme, muss dabei in mir sein, sonst könnte ich es nicht wahrnehmen. Wenn mich also etwas an meinem Gegenüber ärgert, dann nur, weil es in mir angelegt ist.

Und genau hier greift die wahre Vergebung. Statt mich zu ärgern, freue ich mich, dass mir mein Mitmensch etwas zeigt, das es in mir aufzulösen gilt. Danke, heiliger Freund, dass du mir zeigst, was ich noch zu lernen habe.
Das bedeutet, dass mein größter Quäler mein größter Lehrer ist. Statt mich also zu ärgern, freue ich mich über die neue Lerneinheit und bin dankbar.
Ich gebe zu, das gelingt nicht immer. Aber mit jeder Übung immer besser.

Bei jedem Bild, bei jeder Textzeile, bei jeder Mimik oder Gestik, bei jeder Nachricht und jeder Aussage, einfach bei allem, kann ich mich entscheiden wie ich es wahrnehmen will. Welchen Wert messe ich dem bei? Lasse ich mir davon Angst einjagen? Brodelt die Wut in mir? Verspüre ich Hass und hege gar Gewaltphantasien? Bin ich verzweifelt oder ratlos? Denke ich, der Andere hat Schuld an meiner miesen Laune oder an der allgemeinen Misere?
Das ist alles unwichtig. Denn all das findet nur in meinem Geist statt. Es ist dies das große Spiel des Egos, das immer wütend ist, sich immer ärgert, und das immer Recht hat.
Nur, will ich Recht haben, oder will ich glücklich sein? Will ich den Konflikt weiter wahr machen, oder will ich stattdessen Frieden erfahren? Will ich weiter in Angst leben, oder nehme ich die Liebe für mich an?

Die Welt, die wir wahrnehmen, ist unser Klassenzimmer. Wir sind alle gemeinsam hier, um etwas zu lernen: wahre Vergebung. Und die führt irgendwann zu der Erkenntnis, dass alles Liebe ist. Das Böse existiert nicht – es dient nur dem Lernen.
Und dafür ist diese Zeit mehr als geeignet. Nie gab es mehr zu lernen. Je größer der Wahnsinn, desto größer die Chance, wahren inneren Frieden zu finden – mit dem Werkzeug der wahren Vergebung.
Das gelingt sicherlich nicht von heute auf morgen, sondern bedarf konstanter Übung. Jeden Tag. Rund um die Uhr.

Könnte dies ein Weg sein, aus der Krise zu kommen? Ich bin fest davon überzeugt.
Ich kann die Welt im Außen nicht ändern. Aber ich kann die Welt in meinem Inneren ändern.

Und damit ändere ich die Welt.

© Photo by Pascal Bernardon on Unsplash  

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Eine Antwort

  1. Wie wahr. Auch ich versuche alles Negative auszublenden, Nachrichten egal ob Fernseher oder Print kritisch aufnehmen. Auf das notwendige sich beschränken und filtern was ich aufnehmen will. Wir alle sind in erster Linie Menschen egal welcher Rasse, welchen Glaubens oder Hautfarbe und wir Menschen brauchen uns. Da hast du gute und nachdenkenswerte
    Gedanken geschrieben, sollten viele lesen und sich Gedanken machen. Gratuliere

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