Die fabelhafte Welt des Mikrobioms

Lesedauer: 7 Minuten

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Dies ist meine erste Gedankensammlung zu einem für uns alle recht neuen Thema: dem Mikrobiom. Viele Mitmenschen aus Wissenschaft, Medizin, Ernährung und Landwirtschaft beschäftigen sich derzeit eingehend damit und kommen dabei regelmäßig zu ganz neuen Erkenntnissen, die vieles verändern, was wir bisher glaubten zu wissen.

Was ist das Mikrobiom?

Das Mikrobiom ist der Oberbegriff für die Welt der Mikroorganismen, die in und auf allen Makroorganismen zu finden sind. Also im Boden, in und auf Pflanzen, Tieren und auch beispielsweise in unserem Darm, auf unserer Haut und in all unseren Schleimhäuten. Die Microbiome beeinflussen zu einem hohen Grad das Immunsystem, das Hormonsystem und den Stoffwechsel seines Wirts. Wir wissen allerdings nicht allzu viel darüber.
Je mehr wir uns mit diesem Thema beschäftigen, desto weniger verstehen wir, so mein Eindruck.
Das könnte folgende Ursache haben:

Das Mikrobiom – eine andere Welt

Das Mikrobiom ist in gewisser Weise so weit entfernt und unerreichbar für uns wie eine andere Galaxie, die wir mit Hochleistungs-Teleskopen sehen aber mit heutiger Technik niemals erreichen können. Wir können es mit bloßem Auge nicht sehen, nur mit hochauflösenden Mikroskopen. Was wir wissen ist, dass alleine auf einem menschlichen Körper mehr Mikroorganismen leben als ein Mensch Zellen hat – nämlich ca. 39 Billionen! (Ein Mensch hat 30 Billionen Zellen.)

In unserem Darm tummeln sich hunderte wenn nicht gar tausende Bakterienstämme und sehr wahrscheinlich nochmal so viele Pilzstämme. Es ist uns schlicht unmöglich, mit unseren heutigen naturwissenschaftlichen Methoden diese Welt zu verstehen.

Ein möglicher Vergleich: Wir fahren nach Afrika und schauen uns dort von der Luft aus alle Lebewesen an, die es dort gibt. Pflanzen, Reptilien, Fische, Säugetiere. Eines der Säugetiere fällt uns dabei als besonders gefährlich auf, da es am liebsten andere Tiere frisst: der Löwe. Unsere Schlussfolgerung: Der Löwe ist ein Säugetier. Er ist gefährlich. Alle Säugetiere sind gefährlich.
Das ist natürlich Unsinn, aber ungefähr so versteht die Naturwissenschaft derzeit das Mikrobiom (etwas überspitzt ausgedrückt).

Das mag auch damit zusammenhängen, dass sich die heutige Naturwissenschaft anscheinend nur noch mit Dingen beschäftigt, was sie messen kann. Aber das Mikrobiom ist nicht messbar und wird daher von manchen Wissenschaftlern auch eher stiefmütterlich behandelt.

Eines können wir heute mit Gewissheit sagen: Die verschiedenen Welten – unsere, die wir mit unseren Sinnen wahrnehmen können, und jene des Mikrobioms brauchen einander, um überleben zu können bzw. um überhaupt erst zu leben!

Am Beispiel des Bodens will ich das kurz darlegen:

Das Mikrobiom im Boden

In der Regenerativen Landwirtschaft spielt das Mikrobiom eine zentrale Rolle. Das durfte ich in den vergangenen Monaten durch meine Mitarbeit bei der Soilify-Initiative von vielen Landwirten lernen, denen die Gesundheit ihrer Böden am allerwichtigsten ist. (Mehr zum Thema Regenerative Landwirtschaft und ihre Bedeutung findest du hier.)

Wenn im Boden kein oder ein nur schwach ausgeprägtes und wenig diverses Mikrobiom vorhanden ist, dann wächst auf diesem Boden nichts oder nur sehr schwache und kümmerliche Pflanzen. Abhilfe schafft Mineraldünger, der den Pflanzen direkt als Futter dient, aber nicht deren Gesundheit. Mineraldünger ist für Pflanzen, wie Chips und Cola für uns.

Ein schwach ausgeprägtes, ungesundes Mikrobiom findet man vor allem in übermäßig bearbeiteten und zum größten Teil mit anorganischen Mineraldüngern versorgten Böden, vor allem auch in Monokulturen.
Das liegt daran, dass die Mikroorganismen im Boden auf die gesunden Abfälle aus unserer Welt angewiesen sind. Das ist ihr Futter! Also Pflanzenmaterial, Tier- (und Menschen-)Dung, Kompost – kurz alles Organische. In intensiv bearbeiteten Kunstdünger-Böden gibt es schlicht kein Futter fürs Mikrobiom.

Kein Leben in unserer Welt – kein Leben in der Mikrobiom-Welt.

Umgekehrt ist es ganz genau so! Die Pflanzen ernähren sich am liebsten vom Abfall der Mikrobiom-Welt. Wir erinnern uns: Kunstdünger ist Chips und Cola – das Futter, das das Mikrobiom bereithält ist ein ausgewogenes üppiges und vor allem gesundes Mahl!

Kein gesundes Mikrobiom im Boden, keine gesunde Nahrung für Pflanzen, und somit auch keine gesunde Nahrung für Tiere und auch keine für uns.

Anorganisch → leblos → Tod
Organisch → lebendig → Leben

Ein gesundes Mikrobiom bedeutet Gesundheit für Pflanzen, Tier und Mensch (und Klima!)

Nicht nur im Boden existiert das Mikrobiom, sondern auch auf und in uns Menschen. Und in einem ist sich die Wissenschaft inzwischen einig: Das Mikrobiom hat eine kaum zu unterschätzende Bedeutung für unsere Gesundheit! (Auch wenn wir es nicht erklären können …)

Jeder Mensch beherbergt dabei sein ganz individuelles Mikrobiom, das gehegt und gepflegt werden will. Je besser es dem Mikrobiom geht, desto besser geht es dem Menschen. Die Ernährung spielt dabei eine große Rolle, jedenfalls können wir darüber unser Mikrobiom selbst direkt unterstützen.

Welche Lebensmittel helfen dem Mikrobiom?

Dazu hat Anja Wagner einen sehr ausführlichen und hilfreichen Beitrag auf Paleo360.de veröffentlicht, der sich lohnt zu lesen!

Die Darmflora aufbauen – Tipps für ein gesundes Mikrobiom

Nach meinem bisherigen Verständnis aus unserer Arbeit für Paleo360 und Soilify kann man es aber auch sehr einfach und kurz ausdrücken:

Alles, was lebendig ist, hilft dem Mikrobiom!

Prinzipiell kannst du also alles essen, was dir schmeckt, solange es lebendig ist. Und ich meine hier nicht lebend! Unter lebendig verstehe ich: frisch, natürlich, unverarbeitet. Es ist dabei völlig egal, ob du einer speziellen Diät folgst oder vegan oder nicht vegan bist. Pflanzen und Tiere sind gleichermaßen hochwertige Nahrungsmittel für uns Menschen.

Wichtig ist, gewährleisten zu können, ob die Pflanzen oder die Tiere, die du zu dir nimmst, in Kontakt mit einem gesunden Mikrobiom im Boden gekommen sind. Und zu welchem Grad dein Lebensmittel frisch und natürlich oder industriell verarbeitet oder gar hergestellt ist. Bill Gates’ Lieblings-Klimawandel-Lösung Laborfleisch hat mit Lebendigkeit herzlich wenig zu tun!

Wie kann ich herausfinden, ob meine Lebensmittel in Symbiose mit einem gesunden Mikrobiom gelebt haben und somit meinem Mikrobiom dienen?

Ganz einfach: Verzichte auf industrielle Lebensmittel! Ernähre dich am besten nur von frischen, natürlichen und unverarbeiteten Produkten. Und: Je weniger Zutaten dein Grundnahrungsmittel hat, desto besser. (Eine Liste dazu findest du im schon erwähnten Artikel auf Paleo360.)

Bio-Produkte sind sicherlich hilfreich. Es könnte aber sein, dass Produkte aus Regenerativer Landwirtschaft (egal ob bio oder konventionell) noch hilfreicher sind! Daher arbeiten wir bei Soilify mit der Firma Earthfort aus den USA zusammen, die seit Jahren die Böden mit speziellen Mikroorganismen wieder aufbaut. Mit dem Effekt, dass Landwirte hochwertigere und gesündere Pflanzen ernten, und dabei weniger Dünger und weniger Pestizide und Fungizide benötigen.

Gibt es eine Ernährungsweise, die dem Mikrobiom hilft?

Die eine Ernährungsform gibt es nicht. Das ist von Mensch zu Mensch ganz individuell zu entscheiden. Denn jedes Mikrobiom ist anders!

Allgemein kann man aber sicherlich sagen, dass alles was natürlich und frisch ist, hilfreich ist!

Für mich ist hier die Paleo-Ernährung erste Wahl! (Und das nicht nur, weil ich zum Paleo360-Team gehöre.)

Der Paleo-Ernährung wird immer wieder vorgeworfen, es sei eine einseitige Ernährungsform. Das könnte auf Unwissen beruhen, wenn man glaubt, bei der Paleo-Ernährung müsse man komplett auf Kohlenhydrate verzichten, wie bei der ketogenen Ernährung. Das ist eine Fehlwahrnehmung.

Wenn man allerdings diese Meinung damit begründet, dass wir bei der Paleo-Ernährung auf alle verarbeiteten und künstlichen Lebensmittel verzichten, dann ist sie wohl doch sehr einseitig – hahaha …

Bei Paleo360 nennen wir die Lebensmittel, die unserer Gesundheit dienen (und somit unserem Mikrobiom): „wirkliche Nahrung“ – oder: EAT REAL FOOD!

Das Mikrobiom ist die Basis unserer Gesundheit

Das Mikrobiom ist eine ganz eigene Welt und ganz offensichtlich überall dort anzutreffen, wo Leben ist. Bei uns Menschen ist das Mikrobiom vor allem in unserem Darm und auf unserer Haut zu finden, aber auch im Mund- und Nasenrachenraum, in der Lunge und in unserem Urogenitaltrakt.
Das Wort Darmflora hat sicherlich jeder schon einmal gehört. Damit ist nichts anderes gemeint als das Mikrobiom in unserem Darm.
Jedes Mikrobiom ist dabei so einzigartig wie der Mensch, den es besiedelt. Es gibt also DAS Heilmittel oder DIE Anleitung nicht.

Einige interessante Infos zum Mikrobiom in der Medizin, von denen ich bislang gehört habe:

Antibiotika und Probiotika

Antiboitika schaden dem Mikrobiom – das ist inzwischen allgemein anerkannt. Daher sollten wir mit Antibiotika sehr vorsichtig umgehen und nur dann anwenden, wenn es wirklich nötig ist. Mit Probiotika-Präparaten und einer gesunden Ernährungsweise können wir es aber wieder aufbauen.

Übrigens ist Glyphosat auch ein Antibiotikum und sollte daher nur ganz spezifisch und in geringen Mengen verwendet werden und am besten nur in der bodenaufbauenden regenerativen Landwirtschaft! (Mehr zum Thema Glyphosat und seinem Einsatz in der Landwirtschaft findest du hier.)

Kaiserschnittkinder und das Mikrobiom der Mutter

Man weiß heute, dass Kaiserschnittkinder ein schwächer ausgeprägtes und weniger diverses Mikrobiom haben als Kinder, die auf dem üblichen Weg auf die Welt gekommen sind. Das kann dazu führen, dass diese Kinder häufiger unter Allergien leiden als andere und zudem über ein schwächeres Immunsystem verfügen.

Man geht davon aus, dass das daran liegen könnte, dass das Kind bei der Geburt nicht mit dem Mikrobiom der Mutter in Berührung gekommen ist, das sonst auf dem natürlichen Weg über das Scheidensekret geschieht.

Daher gibt es heute erste Versuche, bei denen man das durch Kaiserschnitt Neugeborene mit einem Wattestäbchen mit dem Scheidensekret der Mutter über den Mund versorgt.

Morbus Crohn und andere Darmerkrankungen

Offenbar ist bei Entzündungskrankheiten das Mikrobiom eines anderen Menschen hilfreich! Eingesetzt wird dies bei der fäkalen Mikrobiota-Transplantation oder Stuhltransplantation, bei der Stuhl eines gesunden Spenders in den Darm des Erkrankten übertragen wird. Ob dies erfolgreich ist oder nicht, hängt dabei nicht nur von der Gesundheit des Spenders ab, sondern auch davon, ob die Mikrobiome harmonieren!

Dieser Aspekt ist wohl auch bei Organtransplantationen zu berücksichtigen! Aus persönlicher Quelle habe ich erfahren, dass in diesem Bereich intensiv geforscht wird.

Spielt das Mikrobiom auch beim Sex eine Rolle?

Wir haben am liebsten mit den Menschen Sex, die wir „gut riechen können“. Hängt das womöglich damit zusammen, dass unsere Mikrobiome harmonieren? Ist Cunnilingus also nicht nur schön, sondern auch gesund? Und eröffnet sich hier ein ganz neuer Aspekt bei der Wahl des Sexualpartners?

Ein gesundes Mikrobiom macht glücklich!

Abschließend eine Erkenntnis aus Tierversuchen, die ich besonders spannend finde: In Tierversuchen konnte man nachweisen, dass ein gestörtes Mikrobiom vor allem zu Diabetes und Fettleibigkeit führt. Aber auch zu ängstlicheren Tieren! Ein gestörtes Mikrobiom führt also zu mehr Angst! Das bedeutet dann auch, dass uns ein gesundes Mikrobiom glücklicher macht.

Es lohnt sich also, dass wir uns mehr um die uns so fremde aber fabelhafte Welt des Mikrobioms kümmern!

Eine Nachbemerkung: Das Mikrobiom existiert wohl seit Anbeginn der Erde (oder gar noch länger). Nun hat der Mensch es vor wenigen Jahren entdeckt, und – oh Wunder! Es ist sogleich bedroht! Kurz vor der Vernichtung! Die große Katastrophe steht unmittelbar bevor!

Also wieder die altbekannte Katastrophen-Kommunikation. Es werden die gleichen Droh- und Untergangsgeschichten erzählt wie sonst auch immer – egal ob das Die-Krankheit-Deren-Name-Nicht-Gesagt-Werden-Darf ist, oder der Klimawandel oder Plastik in den Meeren oder Nur-Noch-60-Ernten oder eben das Mikrobiom.

Diese Geschichten erzählen sich die Menschen seit es Menschen gibt. Um Aufmerksamkeit zu bekommen, andere aufzurütteln, sie dazu bringen, etwas zu tun, auch wenn sie das gar nicht wollen.

Ich frage mich, ob dies in Zukunft (oder ab sofort!) positiver und liebevoller möglich sein wird? Nicht mit Angst und Schuld kommunizieren, sondern mit Freude!

Konkret beim Mikrobiom: Statt den Menschen zu erzählen, dass das Mikrobiom überall in Gefahr ist (kaputte Böden, kaputte Menschen durch chemisch-industrielle Nahrungsmittel), könnten wir den Menschen auch sagen, wie gesund und glücklich sie sein können, wenn ihr Mikrobiom gesund ist! Und stellt euch vor, was ein gesundes Mikrobiom im Boden bedeutet!

gesundes Mikrobiom → gesunder Boden → gesunde Pflanzen → gesunde Tiere → gesunder Mensch → gesundes Klima! (ich würde jetzt gerne mehrere Ausrufezeichen verwenden, aber das ist ein sicheres Zeichen für einen kranken Geist – wie wir seit Terry Pratchett wissen)

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